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Verlag Bruchmann
11.03.2011

Tönnies verbindet bei neuem Bau Energieeffizienz mit Mitarbeiterzufriedenheit



Jedes zweite Fenster des neuen Tönnies-Verwaltungsgebäudes wurde mit einer eigens entwickelten Lüftungsklappe ausgestattet, um den Mitarbeitern ein offenes, angenehmes Arbeitsklima und eine Verbindung zur Außenwelt zu bieten.

12 cm für den Hauch von Freiheit: Angestellte in modernem Verwaltungsgebäude behalten dank speziell entwickelter Lüftungsklappe den Kontakt zur Umwelt

Die Zeiten von Stoßlüften und gekippten Fenstern scheinen vorbei, inzwischen werden auch in funktionellen Bauten immer häufiger Wärmepumpenheizungen eingesetzt, die ein kontrollier­tes Lüftungssystem erfordern. Für viele Angestellte bedeuten Räume mit reiner Festverglasung allerdings eine Belastung, sie fühlen sich eingesperrt – für Bauherren ein Zwiespalt zwischen Energieeffizienz und Mitarbeiterschutz. Der Fleischereikonzern Tönnies legte bei seinem neuen Verwaltungsgebäude in Rheda-Wiedenbrück besonderen Wert auf Nachhaltigkeit: Erdsonden, Luftverteilungssysteme und Wärmerückgewinnungsanlagen reduzieren den Primärenergiebedarf um 80 Prozent. Um seinen Angestellten dennoch Frischluft und den Kontakt nach draußen zu bieten, entwickelte die MKF Metallbaukontor Frankfurt GmbH für den Bau spezielle Lüftungsklappen. Durch ihre schmalen Abmessungen bergen die raumhohen Elemente keine Absturzgefahr. Zudem ermöglicht die spezielle Konstruktion trotz starker Dämmung und verdeckter Beschläge eine leichtgängige Bedienbarkeit.

Schlanke, dominante Glasfelder lassen Licht in das neue Portal-, Verwaltungs- und Sozialgebäude von Tönnies einfallen, das neben Tagungs-, Schulungs- und Aufenthaltsräumen auch ein Fitnessstudio und Umkleidemöglichkeiten für 5.000 Angestellte umfasst. Entworfen wurde der repräsentative Bau von der ATP N+M Architekten und Ingenieur GmbH mit Unterstützung des Ingenieurbüros Tauber Engineering. „Wir wollten dabei den Benutzern dieses Gebäudes die Möglichkeit bieten, nach eigenem Bedarf zu lüften“, erklärt Geschäftsführer Martin Tauber. Hintergrund dafür sei nicht allein die Frischluftzufuhr für die Angestellten gewesen, sondern auch der physiologischen Kontakt zur Außenwelt. „Das beginnt mit Frühlingsdüften und geht bis zum Straßenlärm, der manchmal nötig ist, um sich nicht von der Umgebung abgeschnitten zu fühlen.“ Die Schwierigkeit bestand allerdings darin, dass die entsprechenden Lüftungselemente zum einen leichtgängig und wärmegedämmt, und zum anderen sicher und mit unsichtbaren Beschlägen versehen sein sollten, damit sie sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen. „So etwas gab es nicht auf dem Markt“, so Tauber.

Leichtgängig durch Anpassung von Rahmen und Beschlägen

Die Planer orientierten sich für den lichten Durchgang daher an den Bauvorschriften für Treppengeländer, die zur Verhinderung von Abstürzen einen Maximalabstand von 12 cm zwischen den Stäben festsetzen. Gleichzeitig erreichen die Flügel durch die geforderte hochisolierende Ausführung eine Bautiefe von 85 mm. Bei dieser Kombination ergeben sich jedoch Probleme mit dem Aufdrehradius. „Teile des Flügels können mit der im Rahmen liegenden Dichtung oder den Beschlägen zusammenstoßen und sich gewissermaßen verhaken. Der Flügel lässt sich dann nur schwer öffnen“, führt Thomas Schaberger, Geschäftsführer der MKF Metallbaukontor Frankfurt GmbH, aus. Das Unternehmen, das unter dem Markennamen TKI bereits seit Jahren Aluminiumprofile auf dem jeweils neusten Stand der Technik für Fenster und Fassaden entwickelt, wurde deshalb mit der Ausarbeitung einer ganz neuen Lösung nach den Ansprüchen der Architekten beauftragt.

MKF schloss sich dazu mit der Ahnepohl Metallbau GmbH, die die Klappen produzieren sollte, und den Beschlagsexperten der Roto Frank AG zusammen. „Ein wichtiger Punkt war es, Kollisionen zu verhindern, weshalb wir die Flügelgeometrie und die Verriegelungsteile modifizierten“, erklärt der zuständige Techniker Michael Ahnepohl. Auch die Forderung nach verdeckt liegenden Beschlägen ohne sichtbare Bandrollen stellte eine Herausforderung dar. „Dies erforderte eine raumsparende Befestigung der Bänder. Außerdem galt es, auch die kurzen Kanten des Lüftungselements so zu gestalten, dass sie die verdeckten Beschlagteile aufnehmen können“, so Ahnepohl. Aufgrund der unterschiedlichen notwendigen Anpassungen wurden die Aluminiumprofile schließlich in Sondergeometrie hergestellt. Da die passende Kombination aus Profil und Beschlag ausschlaggebend für das Funktionieren der schmalen Klappen war, wurden auch Veränderungen an den Beschlägen erforderlich, wie Frank Bicknese, Leiter des Produktmarketings AluVision bei Roto berichtet: „Als Basis wurden Serienbauteile der verdeckt liegenden Bandseite Roto AluVision T600 verwendet und so abgewandelt, dass eine minimale Flügelbreite von 185 mm umgesetzt werden konnte.“

Konzeption mit Blick auf Dämmeigenschaften und Flexibilität

Problematisch an der Gestaltung der Lüftungsklappe war zudem das Verhältnis von Höhe zu Breite. Um sicherzugehen, dass die Verglasung nicht bricht, wird für Glas üblicherweise ein maximales Größenverhältnis von 1:10 vorgegeben. Bei den etwa 2,80 m hohen Klappen hätte diese Richtlinie eine Breite von 28 cm erfordert – zu viel, um eine gesonderte Absturzsicherung in Form eines störenden Geländers zu umgehen. Daher wurden die Flügelelemente stattdessen mit Blech gefüllt. „Der positive Nebeneffekt dabei ist, dass so eine scharfkantige Optik entsteht, die ganz dem Stil moderner Architektur entspricht“, erklärt Fassadenplaner Tauber.

Richtwert und interne Vorgabe war bei allen Dämmungsmaßnahmen die EnEV 2009. Im Inneren wurden die Klappen in Hinblick auf das Energiesparkonzept des Verwaltungsbaus mit einer zusätzlichen Dämmung versehen, während die Fenster eine Dreifach-Isolierverglasung erhielten. „Für die Abdichtung zwischen Flügel und Rahmen wurde eine umlaufende Standard-Mitteldichtung aus der hochisolierenden Serie verwendet sowie eine innere Anschlagdichtung, die sonst bei Türen mit flügelüberdeckenden Füllungen eingesetzt wird“, erläutert Ahnepohl. Insgesamt lassen sich damit sehr gute Dämmwerte erreichen. Für die Verglasung neben der Lüftungsklappe liegt der Ug-Wert bei 0,6 W/m²K, für Rahmen und Klappe liegt der Uw-Wert bei 1,0 W/m²K. Die Außenwände, die eine 20 cm dicke Dämmschicht tragen, weisen einen Wert von 0,15 W/m²K auf. Trotz aller nötigen Anpassungen und Abstimmungen der verschiedenen Komponenten blieb das generelle Schema der Lüftungsklappen flexibel; „Der Aufbau konnte relativ einfach gehalten werden“, fasst MKF-Geschäftsführer Schaberger zusammen. „Basis sind vielfach Standardteile. Dadurch lässt sich die Konstruktion ohne Aufwand in jedem beliebigen Maß realisieren.“

Schmales Bauelement lässt weder Wind noch Regen ein

Insgesamt rund 240 Lüftungsklappen wurden in der neuen Tönnies-Zentrale verbaut, fast jedes zweite Fenster ist damit ausgestattet. Die neuartigen Elemente haben aber nicht nur einen funktionalen Nutzen, sondern wirken auch als Gestaltungsmittel, indem sie die strenge Rasterung der Fassade lockern. Gleichzeitig unterstreicht ihre Schlankheit die Längsorientierung des Baus. Hinzu kommt ein spezieller Vorteil der schmalen Flügelkonstruktion: „Durch diesen engen Schlitz können Wind und Regen nicht so leicht in das Gebäude eindringen, wie bei einem normalen Fenster“, so Tauber. Der Ingenieur könnte sich den Einsatz dieser Bauelemente daher sogar für Hochhäuser bis zu einer Höhe von 120 m vorstellen, die ständig starken Winden ausgesetzt sind.

(Weitere Informationen im Internet: www.metallbaukontor.de, www.tauber.de, www.ahnepohl-metallbau.de, www.roto-frank.com)

Dipl.-Ing. Martin Tauber gründete 1988 sein „Ingenieurbüro Tauber“ in Offenbach am Main. 2005 firmierte das Unternehmen auf Grund zunehmender Internationalisierung um in „Tauber Engineering“. Heute nutzt das Unternehmen seine Erfahrung und sein Know-how gezielt für besonders anspruchsvolle Projekte. Mit seinen Ideen und Entwicklungen trug Martin Tauber maßgeblich dazu bei, dass sich die Fassadentechnik inzwischen zu einem eigenständigen Planungsbereich mit vielfältigen Anforderungen entwickelt hat. Um das Berufs- und Tätigkeitsbild „Planung Fassadentechnik“ zu etablieren, gründete er 1992 zusammen mit 23 Berufskollegen den Verband für Fassadentechnik (VFT), dessen Präsident er drei Jahre lang war. Darüber hinaus bildet Tauber an der Berufsakademie Mosbach Spezialisten für Metallbautechnik aus.

Die MKF Metallbaukontor Frankfurt GmbH wurde 1968 von zehn Metallbauunternehmen mit dem Gedanken gegründet, die Stärken verschiedener Firmen zu vernetzen. 1974 verschmolz die Gesellschaft mit der TKI Technisch Konstruktive Interessensgemeinschaft GbR, die im selben Jahr eine erste wärmegedämmte Fensterkonstruktion vorstellte. Der Schwerpunkt von MKF liegt auf der Entwicklung neuer Lösungen für den Fenster-, Tür- und Fassadenbau. Energetische Fragen werden dabei ebenso berücksichtigt wie Designansprüche von Architekten und praktische Anforderungen der Verarbeiter. Heute nutzen rund 40 Metallbauunternehmen die Einkaufsvorteile der MKF und entwickeln gemeinsam die TKI-Systeme. Seit 2004/2005 sind die Fassadensysteme des Unternehmens nach CE-Richtlinien und britischem CWCT-Standard geprüft. Auch die neuen Fenster - und Türsysteme TKI 755 haben alle erforderlichen DIN EN Prüfungen bestanden. Zurzeit umfasst MKF 26 feste Gesellschafterfirmen mit insgesamt circa 1.000 Mitarbeitern. Kunden kommen aus ganz Deutschland sowie aus dem europäischen Ausland.

Die Ahnepohl Metallbau GmbH begann vor über 50 Jahren mit der Schlosserei von Wilhelm Ahnepohl. Seit 1960 hat das Unternehmen seinen Sitz in Gütersloh, wo inzwischen auf einer Produktionsfläche von 2.700 m² Stahl und Aluminium zu verschiedensten Bauelementen verarbeitet wird. Gefertigt werden unter anderem Komponenten für Fenster, Türen, Fassaden, Treppen und Balkone. Zu den besonderen Eigenschaften von Ahnepohl Metallbau zählen individuelle Lösungen mit selbst entwickelten Profilen, den erfahrenen Umgang mit TKI-Systemen und die Herstellung individueller Sonderkonstruktionen aus Aluminium, Stahl und Glas. Um auf Kundenwünsche besonders flexibel reagieren zu können, verfügt das Unternehmen über ein großes Hochregallager, in dem ständig rund 400 verschiedene Aluminiumprofil-Querschnitte bevorratet werden.

Die 1935 von Wilhelm und Elfriede O. Frank in Stuttgart gegründete Roto Frank AG zählt heute zu den weltweit führenden Produzenten von Beschlagtechnik für Fenster und Türen. Zudem hat sich das Unternehmen als bedeutender Anbieter von Wohndachfenstern, Solarthermie und Bodentreppen etabliert. Entsprechend teilt sich Roto auf in die Divisionen Fenster- und Türtechnologie sowie Dach- und Solartechnologie. Das Unternehmen verfügt weltweit über zwölf Produktionsstätten und mehr als 40 eigene Vertriebsniederlassungen und -partner. In Deutschland läuft der Vertrieb flächendeckend über Roto-Kundencenter und Verkaufsbüros. Das Unternehmen beschäftigt im Durchschnitt 3.750 Mitarbeiter. Der Nettoumsatz belief sich im Geschäftsjahr 2009 auf 560 Millionen Euro.





Die raumhohen Klappen haben eine lichte Durchgangsbreite von 12 cm und sind damit zu schmal, als dass eine Person hindurch fallen könnte. Zusätzliche Absturzsicherungen, die die Optik des Gebäudes gestört hätten, waren daher nicht erforderlich.




Trotz der Schmalheit der kurzen Seiten konnten die Beschläge vollständig verdeckt realisiert werden.




Da die Klappen durch ihre Isolierung eine Bautiefe von 85 mm erreichen, achteten die Entwickler besonders auf die Dichtungen, um Probleme mit dem Aufdrehradius zu vermeiden.



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